Seite 2/7
Wie war das mit Hypra Load. Erzaehl mal ein bisschen... wie kamt ihr darauf so ein geniales Tool zu schreiben, dass den Kindern und Jugendlichen zu dieser Zeit wohl zusammengerechtMillionen von Stunden gespart habt? Und wie lange habt ihr an dem Programm geschrieben, dass wohl mindestens auf jeder zweiten kopierten Disk vorhanden ist? Den Anstoss, dass das technisch moeglich sein muss, gab das Programm FCopy von Thomas Tempelmann. Das konnte mit 5-facher Geschwindigkeit Disketten kopieren und Karsten und ich wunderten uns, wie das geht. Dann hat Karsten die Floppy-Routinen geschrieben und ich mich um die Einbindung ins Kernel-ROM gekuemmert. Ich habe noch bildhaft vor Augen, wie wir in der Schule in einem ausrangierten Klassenzimmer, was als Aufenthaltsraum fuer Freistunden gedacht war, auf der Tafel die Sektoren-Anordnung der 1541 aufzeichneten und Taktzyklen auszaehlten. Die Idee der Datenuebertragung war, dass sich 1541 und C64 einmal synchronisieren und dann so schnell wie moeglich Daten austauschen. Die 256 Byte eines Sektors gingen ohne Pruefsummen oder weitere Synchronisation ueber den Bus. Damit der VIC nicht dazwischen funkt, musste auch der Bildschirm abgeschaltet werden. Zu guter Letzt musste daraus ja ein abtippbares Listing gemacht werden, welches den Fastloader in eine Datei schreibt - Downloads gab es ja nicht. Wenn ich mich recht erinnere, hab ich das gemacht und dachte, ich bin besonders schlau, weil alle zehn Zeilen mit einer Pruefsumme gesichert waren. Hypraload erschien in 64’er 10/1984 mit zwei entscheidenden Macken: Zum einen war beim Ausdrucken des Listings die Zeile 147 auf eine Perforationslinie des Endlospapiers gedruckt worden und deswegen im Heft nicht korrekt zu lesen; man konnte eine 0 mit einer 8 verwechseln (oder umgekehrt). Zum anderen wollten wir Kontakt mit anderen C64-Programmieren aufnehmen und hatten deswegen unsere privaten Telefonnummern (also die unserer Eltern, wir reden von 1984) im Heft drucken lassen. Und damit gewann ich meine ersten Erfahrungen als unfreiwilliger Mitarbeiter einer Telefonhotline. Mehrere Wochen mussten meine Eltern abends das Telefon ausstecken, damit man schlafen konnte. Einige Monate spaeter erschien eine Version 2.0, die ich weitestgehend alleine programmierte, waehrend Karsten das 1541-Buch mit kommentiertem ROM-Listing fertigstellte. Diese Version 2 hat das ROM des C64 schon brutal vergewaltigt. Der Generator schrieb Hypraload in freie Sektoren auf Track 18 (kein sichtbarer Platzverlust und schnelleres Laden, da kein Trackwechsel). Beim Laden wurde der Stack verbogen, um automatisch zu starten, dann wurde der alte Dateiname recycled, weil der noch an einer bestimmten Stelle im RAM stehen musste. Alles sehr schoene Hacks, aber alles Techniken, die man heute in keinster Weise beim Programmieren verwenden darf, alles potentielle Fehlerquellen sowie typisches Verhalten von Virenprogrammen. Aber LOAD "↑*JUMPMAN",8,1 funktionierte danach hervorragend.
1
3